YOUR GAZE – DEIN BLICK

YOUR GAZE – DEIN BLICK

Video installation I 8 min. I Barbara Lubich I hechtfilm Produktion 2019

In my film, people perform various activities, each shown in three separate shots. Each sequence concludes with the display of potential biographical details. Do the biography and the image belong together, or not? Initially, this question remains open for the audience. The three shots present three possible biographies for each individual. Only one version corresponds entirely to reality.

I want to offer the audience a playful opportunity to confront their own expectations and prejudices: „Did you guess the correct biography? Or did you fall prey to your own rather traditional viewing habits?“ The „Who is who?“ puzzle is resolved in the film’s final minute.

A contribution to the exhibition „Racism: The Invention of Human Races“

Exhibition at the German Hygiene Museum Dresden: May 19, 2018 – January 6, 2019

Creativity has no home. It is an expression of a humanity in constant motion and flux. And yet, when a Black ballerina, a white b-boy, or an Asian violinist takes the stage when a Black actress wins an Oscar or a Black German studies student recites Bertolt Brecht this fact is often labeled „cultural appropriation.“ I, however, regard such performances as „defining moments for humanity.“ The individual asserts themselves, thereby illustrating the unwritten rules of how we coexist. How we perceive and „evaluate“ outward difference specifically skin color is culturally conditioned. Shifts in our visual habits can overwrite and redefine existing role expectations regarding „the Other.“

I am interested in the cultural products of human activity primarily when they elude clear-cut categorizations (such as nation, gender, high culture, or pop). I am even more interested in the people themselves. There are individuals whose life stories and actions dismantle the divide between the „foreign“ and the „familiar.“ They are not anomalies, but rather visible examples of the perfectly normal hybridity of our society.

Whether through spectacular instances or everyday occurrences, everyone occasionally experiences the „arbitrariness“ of their own gaze. That gaze determines what constitutes the „familiar“ aspect of the person across from us. Defining one’s own identity is not always entirely within one’s own control a fact we realize most acutely when we find ourselves in the position of the person being observed. Given this paradoxical relationship between the familiar and the foreign, it is strange to claim the authority to define „foreignness.“ And yet, we do. Into what boxes do we slot „the Other“? And how do we react when we catch ourselves doing so?

To err is human. The question is simply: what comes next? One possibility would be to let a spontaneous, „reflexive“ smile directed at oneself play across one’s lips in such situations. Acknowledging one’s own fallibility in this way would foster a more open and relaxed way of interacting with one another.

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In meinem Film üben Menschen verschiedene Tätigkeiten aus und werden dabei in jeweils drei Einstellungen gezeigt. Die Einblendung möglicher biografischer Angaben beendet jede von ihnen. Gehören Lebenslauf und Bild zusammen oder nicht? Diese Frage bleibt für die Zuschauer*innen zunächst offen. Die drei Einstellungen zeigen drei mögliche Biografien der jeweiligen Person. Nur eine Version entspricht der Wirklichkeit zu 100 Prozent.

Ich möchte dem Publikum eine spielerische Konfrontation mit den eigenen Erwartungen und Vorurteilen ermöglichen: „Haben Sie die richtige Biografie erraten? Oder waren Sie Opfer Ihrer eher traditionellen Sehgewohnheiten?“ In der letzten Minute des Films wird das Rätsel „Wer ist wer?“ aufgelöst.

Ein Beitrag zur Ausstellung „Rassismus. Die Erfindung von Menschenrassen“

Ausstellung bei Deutsche Hygiene Museum Dresden 19.05.2018 – 6.01.2019

Kreativität hat keine Heimat. Sie ist Ausdruck einer Menschheit in ständiger Bewegung und Veränderung. Und doch: Wenn eine Schwarze Ballerina, ein weißer B-Boy oder eine asiatische Violinistin die Bühne betreten, wenn eine Schwarze Schauspielerin einen Oscar gewinnt oder ein Schwarzer Germanistikstudent Bertolt Brecht rezitiert, wird diese Tatsache oft als „Aneignung von Kultur“ tituliert. Ich bezeichne solche Auftritte als „Sternstunden der Menschheit“. Der oder die Einzelne behauptet sich und führt hier die ungeschriebenen Regeln des Miteinanders vor Augen. Der Umgang mit und die „Bewertung“ des „äußeren Anders-Seins“, der Hautfarbe sind kulturell geprägt. Durch veränderte Sehgewohnheiten können bisherige Rollenerwartungen an „den Anderen“ überschrieben und neu definiert werden.

Kulturprodukte menschlicher Tätigkeit interessieren mich vor allem dann, wenn sie sich eindeutigen Zuschreibungen entziehen (wie Nation, Gender, Hochkultur, Pop). Noch mehr interessieren mich die Menschen. Es gibt Menschen, die in ihren Biografien und in dem, was sie tun, die Trennung zwischen dem Fremden und dem Eigenen aushebeln. Sie sind keine Ausnahmeerscheinungen, sondern nur offensichtliche Beispiele für eine ganz normale Hybridität unserer Gesellschaft.

Ob dank spektakulärer oder alltäglicher Beispiele – jeder und jede erlebt hin und wieder die „Willkür“ des eigenen Blicks. Der Blick bestimmt, was das Eigene des Gegenübers ist. Die Definition des Eigenen liegt nicht immer in eigener Hand. Das erfahren wir insbesondere, wenn wir in der Position des Gegenübers sind. Innerhalb eines solch paradoxen Verhältnisses von Eigenem und Fremdem ist es seltsam, den Anspruch zu erheben, Fremdheit bestimmen zu können. Und doch tun wir das. In welche Schubladen stecken wir „den Anderen“? Und was tun wir, wenn wir uns dabei ertappt fühlen?

Irren ist menschlich. Die Frage ist nur, was kommt nach dem Sich-Irren? Eine Möglichkeit wäre es, wenn einem in solchen Situationen spontan ein „reflexives“ Lächeln über die Lippen käme: über sich selbst. Die eigene Fehlbarkeit würde so zu einem offeneren, unverkrampften Umgang miteinander beitragen.